Geschichte
Bedeutung als Denkmal
Die Denkmaltopographie bewertet das Gebäude aufgrund seines Grundrisses, der Architektur und insbesondere seiner repräsentativen Eingangssituation als charakteristisches Beispiel eines Kinobaus aus der Zeit des Nationalsozialismus. Von besonderer Bedeutung ist der ungewöhnlich vollständige Erhaltungszustand. Zahlreiche originale Details sind erhalten geblieben, darunter: Türen und Sprossenfenster, Treppen, die Gestaltung des Kinosaals, die Logen sowie weitere bauzeitliche Ausstattungselemente. Das Gebäude zählt damit zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen für Bauten während des Zweiten Weltkrieges.
Historischer Kontext
Die Entstehungsgeschichte des Kinos verdeutlicht zugleich einen Widerspruch, mit dem die damaligen Behörden konfrontiert waren: Einerseits bestanden aufgrund des Krieges erhebliche Materialengpässe, die gegen die Fortführung des Bauvorhabens sprachen. Andererseits besaß das Kino für den nationalsozialistischen Staat eine besondere kulturpolitische Bedeutung. Film und Kino dienten sowohl der Unterhaltung und Ablenkung vom Kriegsgeschehen als auch der ideologischen Beeinflussung der Bevölkerung und der Propagierung des Durchhaltewillens. Gerade dieser Zusammenhang erklärt, weshalb der zunächst gestoppte Bau trotz der kriegsbedingten Einschränkungen schließlich fertiggestellt werden konnte.
Bauakten






Entwicklung
| Planung durch Berliner Architekt Dr. Gerhard Rehder – Innenarchitektur Firma Ernst Raue, Glindow – Bauherr Martin Holzapfel | 1938 | |
| 1939 | Verzögerung bei der Prüfung des Bauantrags wegen Rohstoffmangel – Baubeginn im Herbst | |
| Baustopp wegen Krieg im April – nach Intervention durch Bürgermeister Fertigstellung wegen kulturpolitischer Bedeutung bis Juli | 1940 | |
| 1940 | Eröffnung im Juli – »Heute Abend wird das Filmtheater seiner Bestimmung übergeben«, GAZ vom 04.07.1940 | |
| »Neueintragung. Firma Fontane-Filmtheater Martin Holzapfel und Co Werder/Havel«, Amtsgericht im August | 1941 | |
| 1946 | erstes Konzert nach dem Krieg mit dem Rundfunkorchester Hannover und Dirigent Willy Steiner | |
| Umbau der Bühne und Erweiterung zum Mehrzwecktheater | 1969 | |
| bis 1990 | Betrieb des Hauses durch die Bezirks-Filmdirektion Potsdam | |
| Übernahme durch Wolfgang Freidank, ehem. Leiter des Kreislichtspiel-Betriebes | 1991 | |
| 2000 | Schließung wegen zu großer Konkurrenz und Unrentabilität | |
| Wiedereröffnung durch die »Filmfreunde Werder« und Betrieb durch Knuth Steenwerth | 2004 | |
| 2015 | Verpachtung an neue Betreiber »stars and heroes UG«, Geschäftsführer Gösta Oelstrom | |
| Gründung des »Freundeskreis Scala Kulturpalast Werder e. V.« zur Förderung von Kunst und Kultur in Werder | 2018 | |
| 2021 | Kauf des Kinos durch den »Freundeskreis Scala Kulturpalast Werder e. V.« mit Zuschuss der Stadt Werder und privaten Darlehensgebern | |
| Start umfangreicher Vorbereitungen zur Sanierung durch den Verein | seit 2021 | |
| 2026 | Beginn der Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Behrens & Heinlein aus Potsdam – Veröffentlichung der Spendenkampagne »Scala in Not« | |
| Herausgabe der Scala-Aktie zur breiten Bürgerbeteiligung – Start der Sanierung des Scala Kulturpalastes, 1. Bauabschnitt: Saaldach | 2027 | |
Kinos in Werder
Das erste in Werder genannte Kino »Fortuna Lichtspiele« befand sich auf der Inselstadt, Am Markt 22. Sein Eröffnungsdatum ist nicht bekannt, wurde aber bis 1930 vom Besitzer Max Philipsen und seiner Ehefrau geführt. Das zweite Kino befand sich Unter den Linden 18 im Café »Linden-Palast«. Es existierte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Meldungen aus dem Jahre 1927 erwähnen den Besitzer Bruno Pohl und zuletzt die Witwe Frieda Pohl.
Quellen: Texte/Bilder: Stadtarchiv Werder, Bauakte; Literatur: 1. Golz, Reimar, Wehmütige Erinnerungen an die großen Zeiten des Kinos in Werder, in: MAZ vom 2.2.2000, S. 21; 2. Richter, Elisabeth, Alter Charme und moderne Technik, in: PNN vom 19.4.2004, S. 14.; 3. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Brandenburg, Landkreis Potsdam-Mittelmark, Bd. 14.1, 2009, S. 598.
